Reformierte Kirche

Geschichte

Seit die alte Stadtkirche, die ehemalige Katharinenkirche 1624, endgültig an die Lutheraner übergegangen war, holten sich die Reformierten Christen des Öfteren an hohen Feiertagen reformierte Pastoren nach Altena, die dann in Privathäusern Gottesdienst hielten und das Abendmahl nach ihrem Ritus spendeten. Oft mag solcher Gottesdienst in der sog. Neuen Kammer, einem kleinen Gewölberaum im Seitenflügel der Burg Holtzbrinck stattgefunden haben.

Mit der Zeit empfand sich diese kleine Abendmahlsgemeinschaft als selbständige reformierte Gemeinde und begann sich nach einem eigenen Gotteshaus umzusehen. Die notwendigen Mittel kamen durch Spenden zusammen und die Klusenrente bildete über lange Zeit einen Teil des Pfarreinkommens.


Haus der Schwestern Scharff

Als man nun daran ging, ein Haus zu kaufen, das als Kirche genutzt werden sollte, befürchtete man - wie sich erwies zu Recht -, dass die Lutheraner den Kauf hintertreiben könnten. Gegenüber der Burg Holtzbrinck stand das Haus der Schwestern Scharff zum Verkauf, deren eine - Anna Elisabeth Scharff - mit dem lutherischen Vikar Eberhard Brockhausen verheiratet war. Man besorgte sich also aus Wesel einen Strohmann, der im Auftrag der Reformierten das Haus kaufte. Nachdem der Kaufvertrag durch die Regierung in Kleve bestätigt war, und der Kauf bekannt wurde, versuchte man lutherischerseits den Vertrag rückgängig zu machen. Das war jedoch nicht mehr möglich und auch ein langwieriger Prozess brachte keinen Erfolg.

Das 1667 angekaufte Haus erhielt durch verschiedene Umbauten 1683 und 1724 das Aussehen, das von alten Bildern bekannt ist und blieb bis 1907 das Gotteshaus der reformierten Gemeinde.

Der erste Prediger Pastor Leusmann nannte das Gebäude schon 1671 die Kirche, obwohl noch der größere Teil als Wohnhaus genutzt wurde.

Das 1667 angekaufte Haus erhielt durch verschiedene Umbauten 1683 und 1724 das Aussehen, das von alten Bildern bekannt ist und blieb bis 1907 das Gotteshaus der reformierten Gemeinde.

Der erste Prediger Pastor Leusmann nannte das Gebäude schon 1671 die Kirche, obwohl noch der größere Teil als Wohnhaus genutzt wurde.

Als in den Jahren 1802/03 das Straßenpflaster vor der Kirche bedeutend erniedrigt wurde, bekam die vordere Hauptmauer der Kirche einen starken Riss, so dass die Kirchentür nicht mehr geschlossen werden konnte. Auch die Mauern, die den auf der Nordseite anschließenden Kirchhof umgaben, drohten einzustürzen.

Im Jahre 1808 bewilligte die damalige französische Regierung ca. 46 Thaler für die Reparatur.

Die Orgel wurde 1737 angeschafft, denn es gab einen Lehrer der Gemeindeschule , der zugleich Organist war. 1834 wurde die reformierte Gemeindeschule mit der lutherischen zu einer städtischen Schule vereinigt Da die Kirche ohne Turmwar, gab es in der alten Kirche auch keine Glocken. Lediglich eine kleine zur Kirchenuhr gehörige Glocke hing unter dem Giebel-Vordach. Beide waren 1792 von einem Meister Eck zu Solingen beschafft worden.

Durch die Ordination des ersten Predigers Leusmann im Jahre 1670 war die reformierte Gemeinde Altena in die märkische reformierte Provinzialsynode aufgenommen worden. Seit 1611 waren alle reformierten Gemeinden der Grafschaft Mark zu einer Provinzialkirche verbunden, die durch eine Synode vertreten war, die alle drei Jahre in Hamm mit den übrigen Westfälischen Provinzialsynoden zu einer Generalsynode zusammen trat. Dabei blieb es bis 1817, als aus Anlass der Jubiläumsfeier der Reformation die beiden märkischen Synoden, die reformierte und die lutherische in Hagen zu einer gemeinsamen Synode vereinigt wurden. 1835 wurden alle Gemeinden - evangelisch-lutherische, reformierte und unierte - zu einer evangelischen Provinzialkirche zusammengeschlossen und 1850 auf "allerhöchsten Erlass" zu einer evangelischen Landeskirche verbunden.

In den Jahren 1840-46, als der jüngere Rauschenbusch Pfarrer in der lutherischen Gemeinde war, wurde durch dessen Glaubenseifer auch die reformierte Gemeinde angesteckt und viele christlich evangelische Vereine wurden gegründet, wie z.B. der Enthaltsamkeitsverein, Gustav-Adolfs-, Kranken- und Armen-Vereine, an denen beide Konfessionen gleichermaßen teilnahmen. Seit dieser Zeit gab es auch sonst viele gemeinsame Aktionen, wie z.B. Gottesdienst zu Königs Geburtstag, Missionsstunden und Wochengottesdienste in der Passionszeit.

Durch den gewaltigen Aufschwung, den die hiesige Industrie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nahm und durch die vielen Arbeiter, die von Hessen und aus dem Siegerland zuzogen, wuchs auch die Reformierte Gemeinde, die um 1800 noch etwa 250 Gemeindeglieder hatte auf 1800 Mitglieder an.

Da die Kirche nun zu klein und außerdem äußerlich ziemlich heruntergekommen war, beschloss man 1901, eine neue Kirche zu bauen. Architekt Schwalfenberg erstellte den Bauplan.

Zuerst aber ging es darum, die Baukosten von veranschlagten 84.000 Mark zusammen zu bekommen. Dies geschah durch Anleihen, eine Haus- und Kirchenkollekte in der Provinz Westfalen, eine vom evangelischen Oberkirchenrat bewilligte Beihilfe und Eigenmittel der Gemeinde, die dadurch erwirtschaftet wurden, dass man die Kirchensteuer von 33 1/3 % auf 50 % der Einkommensteuer herauf setzte. Als dann im Jahre 1906 noch ein "allerhöchstes Gnadengeschenk" von Kaiser Wilhelm in Höhe von 14.500 Mark zugesagt wurde, konnte endlich mit dem Bau bekommen werden.

Am 17. März 1707 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt und schon am nächsten Tage wurde mit dem Abbruch begonnen. Am 30 Juni desselben Jahres fand die feierliche Grundsteinlegung statt. In den Grundstein, der hinter der Kanzel sichtbar ist, wurden ein Exemplar des Heidelberger Katechismus, die im Druck erschienene letzte Predigt in der alten Kirche, je ein Exemplar der neuesten Nummer des Altenaer Kreisblattes und der Lennezeitung, ein Exemplar der reformierten Kirchenzeitung, des westfälischen Sonntagsblattes für Stadt und Land und die Urkunde über die Grundsteinlegung eingesenkt.

Im Dezember 1907 war die Kirche im Rohbau fertig. Architekt Heinrich Hutze aus Porta Westfalica baute nach Schwalfenbergs überarbeiteten Plänen eine schöne neuromanische Saalkirche aus heimischen Bruchsteinen auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, mit geradem, östlichem Chorabschluss und schönem Mittelgewölbe, unter dem ein großer Jugendstilleuchter herabhängt. Der zweigeschossige Turm mit achtseitigem Spitzhelm und Dreiecksgiebeln im Nordosten des Gebäudes ist ein wichtiger Orientierungspunkt im Stadtbild. Die beiden halbrunden Treppentürme flankieren den Konfirmandensaal, der gleich einem romanischen "Paradies" der Kirche vorgelagert scheint, sich aber unter dem eigentlichen Kirchenraum befindet.

Im Herbst 1908 wurde die Kirche vollendet. Viele Altenaer Handwerker waren an ihrem Bau beteiligt.

Zur Einweihung am 15. November 1908 bekam die Kirchengemeinde eine silber-beschlagene Bibel mit persönlicher Widmung von Kaiserin Auguste Viktoria geschenkt.

Die Kirche hat 450 Sitzplätze und es bestehen sogar die Fundamente für den Einbau von Seitenemporen, die jedoch nie zur Ausführung kamen.

Da die Baukosten den letzten Voranschlag um 5.000 Mark überstiegen, musste die alte Orgel wieder aufgestellt werden.

Noch heute ist auf der Empore also der Orgelprospekt aus der alten Kirche zu sehen. Im Jahre 1976 wurde dann endlich ein neues Instrument von der Orgelbauwerkstatt Hammer, Hannover, eingebaut. Gleichzeitig wurde auch die Kirche renoviert.

Schon nach dem ersten Weltkrieg und auch später ging die Zahl der Gemeindeglieder der Reformierten Kirchengemeinde kontinuierlich zurück.

Der konfessionelle Streit, der die evangelischen Gemeinden in Altena zu Beginn entzweite, wurde später mehr und mehr beigelegt. Zu Zeiten von Neubau oder Renovierung der Kirchenhäuser gab man sich gegenseitig Obdach. Mehrfach wurde sogar der Versuch gemacht, die Gemeinden zusammen zu schließen. 1840 war ein Unionsvertrag schon vollkommen ausgearbeitet und die Presbyterien waren sich einig, doch der Plan scheiterte an dem Widerspruch der Gemeindeglieder. Auch die späteren Versuche 1878 und 1899 führten nicht zum Erfolg. Es sollte noch über 100 Jahre dauern bis nun zu Beginn des Jahres 2006 der Zusammenschluss erfolgte.

Quellen:

Süderland 1926 Geschichte der ev.reformierten Gemeinde zu Altena von Ferdinand Schmidt und Pfr. Weimann
Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Kirche
Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis 1984

Neues Leben in alten Mauern: Reformierte Kirche wird wieder Gottesdienststätte

Neues Leben in alten Mauern: Die ehemalige Reformierte Kirche der evangelischen Kirchengemeinde Altena wird künftig von der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland genutzt. Der Verein „Koptisch-orthodoxes Zentrums mit St. Antonius-Kloster“ in Waldsolms-Kröffelbach bei Gießen hat das Gebäude gekauft; die Kirche wird also weiterhin als Gotteshaus von Christen genutzt. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Die vertraglichen Regelungen sind bereits erfolgt; die Schlüsselübergabe hat heute stattgefunden. Das Presbyterium der evangelischen Kirchegemeinde ist außerordentlich froh und dankbar, nach jahrelangen Bemühungen eine sinnvolle Nachnutzung für das Kirchengebäude gefunden zu haben. Der Beschluss, das Gebäude an die Schwestern und Brüdern der koptisch-orthodoxen Kirche zu verkaufen, ist daher einstimmig gefallen. Das koptisch-orthodoxe Patriarchat hat bereits im Vorfeld angekündigt, die Kirche für Gottesdienst und geistliche Aktivitäten zu nutzen; sie werde allen Christen offen stehen. Mit dem Zusammenschluss der reformierten und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zur (unierten) evangelischen Kirchengemeinde Altena im Jahr 2005 verfügte die Gemeinde über zwei große, denkmalgeschützte Innenstadtkirchen, keine 200 Meter voneinander entfernt. Das Presbyterium entschied, die barocke Lutherkirche weiter als Gottesdienststätte zu nutzen, zur „Neuen, alten Mitte“ zu machen und zu restaurieren. Nach Abschluss der Restaurierung wurde die Reformierte Kirche daher im Jahr 2008 entwidmet und damit nach genau 100 Jahren als Gottesdienststätte aufgegeben. Schon vorher begannen Bemühungen, eine sinnvolle Nachnutzung zu finden; u. a. untersuchten Studierende der privaten Iserlohner Hochschule BiTS (Studiengang Eventmanagement) im Rahmen einer Praxissemesterarbeit, ob und wie sich das Gebäude als Veranstaltungsstätte nutzen lassen könnte. Drei Entwürfe für einen entsprechenden Umbau kamen allerdings, unabhängig voneinander, auf Investitionskosten im mittleren sechsstelligen Bereich. Gemeinsam mit der Stadt Altena gab es Versuche, das Gebäude als Teil eines neuen Zentrums der Begegnung oder als Tagungszentrum umzunutzen; dazu fand u. a. eine gemeinsame Sitzung des Stadtplanungsausschusses und des damaligen Presbyteriums (Herbst 2008) statt. Die evangelische Kirchengemeinde beteiligte sich auch an den Kosten einer Machbarkeitsstudie und versuchte auch immer wieder, das Gebäude über Immobilenportale deutschlandweit zu vermarkten. Keine dieser Bemühungen führte allerdings zu greifbaren oder konkreten Ergebnissen. Mit dem Übergang an die koptisch-orthodoxe Kirche erfüllt das Gebäude künftig wieder seine eigentliche Bestimmung: Es bleibt ein Gotteshaus – und schafft sogar Raum für die Begegnung von Kulturen.