Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Erstellt am 04.01.2020

Einige Gedanken von GemeindeSchwester Claudia Sauer.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben.
~ Markus 9,24

Das sind wunderbare tröstende Worte und zugleich ein Auftrag an unsere Kirche.
Hilf meinem Unglauben!
Wofür ist Kirche da? In den Tiefen unseres Lebens, in großer Sorge und im Zweifel ist Hilfe bitternötig.

Wir finden unsere Jahreslosung im 9ten Kapitel des Markusevangeliums. Erzählt wird hier die Heilung eines besessenen Knaben:

Im ersten Teil der Geschichte wissen wir gar nicht, worum es geht. Freundinnen und Freunde von Jesus stehen auf einem Platz. Bewohner des Ortes haben sich zu ihnen gesellt. Die Menschen möchten diesen Wunderheiler Jesus sehen.

So auch der Vater eines kranken Jungen. Er hat von den Wundertaten des Jesus gehört.
Der Junge hat epileptische Anfälle. Und die Eltern müssen mit dieser Situation umgehen. Die Familie wird aufgrund dieser Krankheit ausgegrenzt und fühlen sich mit ihrem Schicksal alleingelassen.
Die Eltern können dem Jungen nicht helfen und erhoffen sich Heilung durch Jesus.

Als Jesus kommt, erwarten alle, dass er die Situation klärt. Seine Jünger konnten dem Jungen nicht helfen.

Verlag am Birnbach Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Vor Jesus steht nun der Vater. Er erzählt von der Leidensgeschichte des Sohnes, die zugleich seine eigene ist. Der Junge ist besessen – er wird von einem Geist geschüttelt.
Der Vater bittet Jesus, die Leidensgeschichte zu beenden.
Nun entwickelt sich ein Dialog zwischen Jesus und dem Vater.
Jesus fragt nach und erfährt, dass der Junge diese Krankheit schon seit seiner Kindheit hat.
Es folgt die Bitte des Vaters: „Jedoch – wenn du etwas vermagst, - so hilf uns und hab Mitleid mit uns.“

Jesus erwidert scheinbar herausfordernd: „Was soll das heißen: wenn du etwas vermagst?“ und er fügt hinzu: „Alles ist möglich dem, der glaubt.“

Ohne zu zögern schreit der Vater sein Verlangen hinaus, es ist ein Hilferuf:
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Im weiteren Verlauf der Geschichte erleidet der Junge wieder einen schweren Anfall und liegt wie tot da.
Jesus gebietet dem sprachlosen und tauben Geist aus dem Jungen auszufahren und nicht mehr wiederzukehren.
Jesus nimmt den geheilten Jungen an die Hand und richtet ihn auf.
Vater und Sohn verlassen die Szene.

Wir erfahren nichts weiter darüber, ob der Junge einen Beruf ergreifen konnte oder wie es den Eltern ging.
Wir erfahren auch nicht, ob der Junge noch weitere Anfälle in seinem Leben erleidet, oder ob er und seine Familie gelernt haben mit der Krankheit umzugehen.
Manchmal ist Heilung mehr als Gesundung. Manchmal braucht es eine Hand oder ein Wort, das aufrichtet und stärkt.

Es braucht nur eine Verbindung zwischen dem „Ich glaube“ und dem „hilf meinem Unglauben“. 

Es ist ein ewiges Spannungsfeld, in dem wir alle leben: Glaube und Unglaube liegen direkt nebeneinander und sind doch so weit voneinander entfernt.

Jemand oder etwas muss helfen:
Ich denke an die geflohenen Menschen, die sich in einer aussichtslosen Situation befanden und dann hier bei uns in Altena gelandet sind. Dort trafen sie auf Menschen, die ihnen die Hand hin gehalten haben, die sie bestärkt haben und ihnen Freund in der Not sein konnten.

Ich denke an die Besuche unseres Besuchsdienstes, die Menschen erreicht haben, die sich durch den Besuch gestärkt und getröstet fühlten.

Ich denke an die Kreise und an die Nachmittage unserer Gemeinde, an denen wir Menschen zusammenbringen. Hier erfahren sie Gemeinschaft und Lebensfreude oder auch Trost.

Ich denke an die wunderbaren Gottesdienste, die uns Kraft spenden, uns ermutigen, unsere Enttäuschungen und unser Versagen vor Gott bringen zu dürfen.

Die Bitte „Hilf mir“ ist also nicht nur an Jesus gerichtet, sondern an jeden von uns.
Wir brauchen Gemeinschaft und Menschen, die für uns glauben und unser Gottvertrauen stärken.
Unsere Kirche ist dafür da, Raum zu schaffen für Hoffnungen, Träume und Zweifel. Wir alle sind Brückenbauer zwischen Glaube und Unglaube.

Auch das Gebet ist so eine Brücke zwischen Glaube und Unglaube.

In ein Gebet legen wir alles, was uns belastet, unser Unvermögen und unsere Bitte um Führung.
Ein Gebet ist eine Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Folgender Segenswunsch möge Sie begleiten:
Ich wünsche dir Momente, in denen du deine Zweifel und Ängste aus der Hand geben kannst und frei wirst von dem, was dich bedrückt.
Halte deine leeren Hände wie eine Schale dem Himmel hin, damit er sie füllt mit Leben.
Amen