Pfarrer Djiokou lädt zum Gebet ein:

Corona, eine Einladung nach draußen, vor dem Tor...

Wir sind am sogenannten Judika Sonntag angekommen, was bedeutet bereit sein, zum Dienen. Das 12 Tage vor dem Gedenken an die Kreuzigung unseres Herrn gemäß unserem Kalender für das Jahr 2020. Wir erhalten hier eine Einladung, uns auf dem Weg zum Kreuz zu machen, dem Ort allen Leidens, aber auch dem Ort unserer Befreiung, dem Ort der menschlichen Befreiung.

Dienen heißt ausgehen. Aber was bedeutet Ausgehen in Zeiten der Ausgrenzung, in denen wir uns nun befinden? Verstehen wir das als eine Bewegung nach außen oder nach innen? Ein Unbekannter hatte mal an die Hebräer einen Brief geschrieben, um sie dazu aufzufordern hinauszugehen, wenn sie vor Gott stehen wollten und wenn sie das Kreuz Christi ernstnehmen wollten. Er wollte ihnen damit auch die Bedeutung des Opfers am Kreuz erklären und sie dazu einladen, sich auf den Dienst des Nächsten bereit zu stellen und mutig an den Ort zu gehen, an dem alles gespielt wurde, der Ort des Verfalls, „draußen, vor dem Tor“.

Im Brief an die Hebräer 13, Verse 12 bis 14 ist folgendes geschrieben: 

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die Zukünftige suchen wir“. 

An diesem Ort des Verfalls, vergosst Einer sein Blut, um die Menschheit zu retten, ja, für unser Heil. Damit das Leiden nicht mehr besteht und der Mensch nicht länger dem Bösen gegenübersteht, sondern dass er ruhig und sicher draußen wie drinnen lebt.

Blut vergießen, sich von seiner lebenswichtigen Substanz unwillig verabschieden, sein Leben verlieren, sich opfern. So verstehen wir das Opfer Jesu, des Christi Gottes am Kreuz. Der Brief sagt uns, dass er all das getan hat für ein einziges Ziel: sein Volk zu heiligen, den Menschen aus seinem Elend herauszuholen, ihm eine neue Würde zu bieten. Ein Akt großer Güte, ein göttlicher Akt voller Liebe und Solidarität für die Menschen die wir sind. Eine Ehre für die Menschheit.

Der Ort dieser Heiligung ist bekannt: draußen vor dem Tor. Nicht drinnen, sondern draußen. Drinnen herrscht irgendwie Sicherheit, hier haben wir weniger Angst. Draußen ist etwas anderes, draußen riecht es schlecht, man läuft fast überall Gefahr und nun geht auch ein ziemlich böser Virus umher; das Böse kann jederzeit entstehen. Draußen ist die Gefahr permanent. Draußen hat uns auf den Kopf gestellt. Verrückt.

Draußen ist es Golgatha, der Ort, an dem der Dieb für schuldig befunden wird. Hier wird getötet. Man wird ausgepeitscht, bis zum Tode. Draußen vor dem Tor wird die Szene des Hängens spielt, Szene der menschlichen Schmach, des Spuckens und des Verspottens. Es ist nicht gut, an diesem Ort zu sein, auch wenn es Menschen gibt, die gerne dort sind, um sich nach Belieben vom Leiden anderer zu ernähren, Leute, die hungrig sind nach dem Bösen. Das sind die, die kein Herz mehr haben, die spucken und beleidigen. Diejenigen, die Spaß daran haben, die Welt untergehen zu sehen, über das Elend anderer zu lachen, Ausreden zu geben. Sie schieben die Schuld auf die anderen. Jesus, der Gerechte, ist der Schuldige. So muss er sterben.

Da draußen fließt Blut, wie Christus wird der Unschuldige verurteilt und zu Tode bestraft. An einen solchen Ort will keiner gehen, und doch lädt uns das Evangelium ein dorthin zu gehen.

Ausgehen zum Ort des Leidens, dem Ort des Grauens, wo die Abgelehnten der Gesellschaft geparkt sind wie Ausgestoßene, die niemand will. Geflüchtete, wo uns unsere eigene Ausgrenzung dazu gebracht hat, sie zu vergessen. Ein Virus, der uns sein Gesetz diktiert, uns Angst macht, uns tötet und uns zwingt, nur uns selbst anzusehen. Und doch müssen wir dorthin gehen, denn das ist der Dienst, für den uns das Evangelium herausfordert.

In diesem schrecklichen Draußen war schon jemand: Jesus. Gerecht und einwandfrei ging er dorthin, gezwungen durch die Macht des Bösen, gedrängt durch den Schatten des Todes, der auf unsere Menschheit gelegt wurde. Er akzeptierte das Kreuz, er akzeptierte den Tod. Aber kein vergeblicher Tod, sondern ein bedeutungsvoller Tod, ein hinterfragender Tod: damit wir nicht mehr vor Gott an Ungerechtigkeiten sterben. Ja, Christus, der Gute von Gott kommend, wurde dort gerichtet und verurteilt, der kein Verbrechen begangen oder irgendjemandem Schaden zugefügt hatte. Er wurde „draußen vor dem Tor“, in den stinkenden Müll des Todes geworfen. Aber er tat es, damit niemand jemals wieder dazu verurteilt werden würde, dass niemals wieder Blut vergossen würde, dass niemand aus der Gesellschaft ausgeschlossen würde, dass es keine Ausgestoßenen mehr geben würde.

Darum sind wir aufgefordert, nach „draußen, vor dem Tor“ zu gehen. Ohne uns zu fürchten. Der erschreckende Ort des Opfers wurde durch das Blut der großen Unschuldigen geheiligt. Die Heiligung dieses Ortes ist eine Tatsache der Liebe Gottes, für die wir berufen sind, herauszukommen.

Aber halt, nur nicht nach Draußen. Es wird noch gereinigt. Der Schatten des Todes namens Corona läuft noch. Sondern da „draußen vor dem Tor“, denn auch wenn wir noch eingeschränkt sind, können wir immer noch ausgehen. Ausgehen nach Innen. Es geht um eine Übung des Glaubens. Außer uns selbst zu gehen, im Gebet und in der Meditation des Wortes Gottes, der Lesung der Bibel, als erster Schritt des Ausgehens. Judika, bereite dich darauf vor, für das Dienen des anderen. Die derzeitige Ausgrenzung gibt uns endlich die Möglichkeit, das zu tun, wofür wir vorher keine Zeit hatten, das Evangelium des Herrn zu meditieren, Andacht in der Familie zu halten, um heil und gesund zu bleiben oder zu werden. Gott hat uns nun ein Zeichen dafür gegeben. Genau das, was draußen passiert ist Zeichen davon, dass wir uns an Gott wenden müssen.

 

Letztendlich umfasst das Ausgehen (Draußen, vor dem Tor) zwei Schritte:

1. Raus aus dir selbst, verwandle dich. Verlasse mal deine private Sicherheit, öffne dich Gott und lass dich von der Wahrheit des Heiligen Geistes verwandeln. Hab Vertrauen und sei bereit. Lass dich vom Prinzip des Kreuzes, der Lehre der biblischen Wahrheit, erfassen. Mach Schluss mit deinem Unglauben, der dich von Selbstsucht und der falschen Gewissheit, an nichts zu mangeln, gefasst hat, und komm zurück zu deinem Gott. Denn wir erfahren nun, dass das Geld nicht alles kaufen kann, dass wir alle nur Menschen sind, die leben wollen.

2. Wenn die Zeit reif wird und Corona mit Gottes Hilfe überwunden wird, geh raus, öffne dich für andere, macht etwas Gutes für die anderen. Die Ausgrenzung hast uns das auch gelehrt und es stimmt überein mit dem Wort Gottes. Da wir nur Menschen sind, die leben wollen, wollen wir auch mit den andren leben und Leben bewahren. Darum werden wir uns für die Verankerung der Gesellschaft in Gottes Wort einsetzen, viel mehr noch als vorher. Wir werden noch stärker für den ausgehen, den die Gesellschaft bereits beurteilt und verurteilt hat. Wir werden für Bedürftige und Kranke ausgehen und werden Kirche, Jesu Christi sein, überall: zu Hause, bei der Arbeit, auf der ganzen Welt und da, wo uns Gott braucht. Judika, sei bereit.

 

Und der Gott, der uns für sein Heil geöffnet hat, wird unser Herz und unsere Gedanken in Jesus Christus, unserem Herrn und Erlöser, dessen Name, vor allen Namen, auf ewig gesegnet ist, behalten. 

Amen