Lutherkirche

Geschichte

In alter Zeit wurden die Fischer, Bauern und Handwerker im Gebiete Altena seelsorgerisch von Wiblingwerde aus betreut. Auch zur Bauernkirche in Iserlohn, die ebenso wie die Kapelle auf der Burg Altena dem hl. Pankratius geweiht war, bestanden enge Beziehungen. Die Geschichtsschreibung ist sich bis heute nicht sicher über das genaue Datum der Gründung einer eigenen Kirchengemeinde in Altena.

Angenommen wird, dass die Weihe im Jahre 1318 stattfand. Die Kirche wurde der hl. Katharina geweiht. Stadt und Ev. Kirchengemeinde führen sie noch heute in Wappen und Siegel. Die Pfarrkirche hatte das Seelsorgerecht, das Taufrecht, das Begräbnisrecht und das Zehntrecht. Die Gründung der Kirche geht wahrscheinlich auf Graf Engelbert II. von der Mark (1308-1328) zurück, jedenfalls geschah sie in seiner Zeit. Die Aufnahme der hl. Katharina von Alexandrien kam wahrscheinlich durch ein Gelübde zustande, das der Graf Engelbert III. von der Mark 1353 am Grabe der Heiligen im Sinai getan haben soll. Er war es, der Altena 1367 die Stadtrechte verlieh. Von 1318 - 1535 war die Stadtkirche also selbstverständlich ein katholisches Gotteshaus. Von 1535 an etwa breitete sich auch in Altena die Reformation aus. Dies war ein Prozess, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckte.

Der Gegensatz zwischen Lutheranern und Calvinisten führte 1612-1624 zu erbittertem Streit um die Auslegung des Abendmahles, um die Stadtkirche und die dazugehörigen Einnahmen. 1624 wurde die alte Katharinenkirche endgültig lutherisch. Fünf große Brände setzten der Stadt und auch der Kirche zu. Vor allem 1702 hatte sie schwer gelitten. Hinzu kam die immerwährende Feuchtigkeit, die vor allem die Nordseite baufällig gemacht hatte. Da die Einwohnerzahl der Stadt inzwischen auf 2611 angestiegen war, war die Kirche zu klein geworden. Deshalb entschloss man sich 1719 zu einem Neubau. Das Geld dafür wurde durch die Versteigerung der Kirchensitze, eine Kollekte in ganz Westfalen, Spenden und Anleihen beschafft. Dazu kam ein Zuschuss von 1000 Thalern von König Friedrich Wilhelm I. 1738 wurde der Grundstein für die Erweiterung auf 1000 Plätze gelegt.

Die neue Kirche wurde, von außen an den in der Höhe geteilten Fenstern erkennbar, als Emporenkirche konzipiert. Der alte Kirchturm blieb stehen, das Kirchenschiff wurde nach Osten, in den Berg hinein und nach den Seiten hin vergrößert. Der Erdaushub von der Ostseite wurde seitlich aufgebracht, um die Gräber nicht aufnehmen zu müssen und deshalb liegt das Kirchenschiff auch sieben Stufen höher als die Turmhalle. Der Kirchhof wurde noch bis 1829 als Friedhof genutzt. Die Steine der alten Kirche wurden wahrscheinlich wieder verwertet und ebenso scheinen die Türen zur Empore, durch die nun die Netteraner hinein gehen konnten, von der Vorgängerkirche zu stammen. Auf der Rückseite der Kirche ist auch der Zugang zum Glockenstuhl, zum Turm und zu der Lateinschule, die als Vorgängerin des Burggymnasiums angesehen werden kann.

Der Kirchenraum ist fast quadratisch, gegliedert in Haupt- und zwei Seitenschiffe. Dort wo die Säulen stehen, waren wahrscheinlich die Begrenzungsmauern der alten Kirche. Ostabschluss bildet die Barockanlage, die Altar, Kanzel und Orgel umfasst. Diese Anlage kennzeichnet die Kirche als typisch protestantische Predigtkirche. Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet und so dienen die heilige Handlung am Altar, das Wort von der Kanzel und die Musik der Orgel (erneuert 1974 durch die Firma Führer) gemeinsam dem Lobe Gottes. Der reiche Goldschmuck an der Kanzel weist sie als das Kernstück aus, dient sie doch der Verkündigung von Gottes Wort. An den Seiten zieren sie die Evangelisten mit ihren Symbolen. In der Mitte finden wir eine Darstellung, die uns heute ungewohnt scheinen mag, die jedoch in der Barockzeit zu dem bevorzugten Bildprogramm in evangelischen Kirchen gehörte. Dort nämlich steht die Figur eines würdigen Mannes mit Schläfenlocken. Sie stellt Gottvater dar, der die Weltkugel in der Linken hält, während die Rechte zur Segensgeste erhoben ist. Unter dem Schalldeckel der Kanzel schwebt eine Taube als Symbol des heiligen Geistes und auf dem Schalldeckel vor der Orgel nimmt der auferstandene Christus mit der Siegesfahne den höchsten Platz auf dem Akanthusthron ein. So ist die Dreieinigkeit Gottes in unserer Kirche dargestellt. Der Taufstein wurde von der Altenaer Bildhauerin Ulla Koopmann in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen und passt sich in Farbe und Gestaltung der Barockkirche an.

Die farbliche Ausgestaltung der Kirche ist in weiß, blau und Gold gehalten. Die Deckenmedaillons in den Seitenschiffen der Lutherkirche stellen Engel und Evangelisten dar. Im Mittelschiff über der Chorempore blickt die Heilige Katharina als entschlossene, kämpferische Frau herab, in der Mitte spricht die Lutherrose mit der Umschrift: "des Christen Herz auf Rosen geht, wenn es unterm Kreuze steht" von dem Glauben des Reformators und Namensgebers unserer Kirche und vorn in der Nähe des Altars ist das sieghafte Gotteslamm dargestellt. Die weitere Ausmalung der Gewölbe mit Blumen: Rosen, Tulpen, Sternblumen und kleinen Spruchfeldern lässt am den Garten Eden denken.

Das Abendmahlsbild auf der Tür zur Kanzel ist ungewissen Ursprungs. Es ist oben halbrund und stellt Jesus im Kreise von 11 Jüngern dar. Eine Banderole umläuft die Empore, auf der die Seligpreisungen aufgeschrieben sind.

Je zwei Gedenktafeln auf beiden Seiten erinnern an die Gefallenen der Kriege 1815, 1856, 1870 /71 (links) und des ersten Weltkrieges 1914/18. (rechts) Letztere aufgehängt am 31.12.1922, die Namen der Gefallenen sind den jeweiligen Todesjahren zugeordnet. Die Tafeln für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wurden von der Firma Rentrop gefertigt.

 

 

Quellen:
Schriften aus dem Westf. Kirchenarchiv Bielefeld und dem Stadtarchiv Altena

Bildergalerie: Presseartikel zur Renovierung