Auf ein Wort...

Erstellt am 29.03.2018

Ostern – ein anderer Christus

„Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.“ (Johannes 20,11)

Nach der Osterüberlieferung des Johannes kniet Maria von Magdala vor der leeren Grabhöhle und weint. Alleine, ohne die anderen Frauen. Jesus ist weg! Die Höhle ist leer. Dabei brauchte sie doch einen Ort für ihre Trauer. Nicht nur die Grabhöhle ist leer, auch ihre Augen. Mit leerem Blick schaut sie sich um.

Mitten in ihre Traurigkeit hinein begegnet ihr schließlich Jesus selber. Doch sie erkennt ihn nicht. – Wie soll ein Verstand das auch fassen? Selbst als er mit ihr redet und sie fragt, warum sie denn weint, erkennt sie ihn nicht. Erst als er sie mit ihrem Namen anredet, weiß sie, wer vor ihr steht. Endlich hat sie ihn wieder. Und sie möchte ihn gleich anfassen, festhalten und nicht wieder loslassen. Doch Jesus weist ihren Wunsch zurück. „Rühr mich nicht an.“ Dieser auferstandene Jesus ist keiner zum Anfassen oder Fotografieren. Er ist auch nicht der Gleiche wie vor seiner Auferstehung. Er ist nicht einfach wieder lebendig, sondern ein anderer geworden. Denn seine Auferweckung ist nicht Rückkehr aus dem Tod, sondern Überwindung des Todes!

Doch Jesus lässt Maria mit dieser Zurückweisung nicht stehen, sondern er gibt ihr einen neuen Lebensinhalt. Ihre Augen werden wieder lebendig und mit Leben gefüllt, als Jesus sie mit einem Auftrag betraut: „Geh hin und verkünde meine Auferstehung!“ D.h. für Maria beginnt das Neue mit ihrem Auftrag zu verkündigen. Diese Aufgabe füllt ihre leeren Augen. Es ist so nicht mehr nötig, dass sie ihn körperlich spüren will, sich vergewissern will, dass es wirklich „ihr“ Jesus ist, der da vor ihr steht. Mit Jesu Auferstehung aber beginnt etwas Neues, etwas qualitativ Anderes. Und Maria wird in dieses Neue mit hineingezogen.

Mit erfüllten Augen und neuer Lebenskraft steht sie vor den Jüngern und vor der ganzen Welt und verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.“ Lassen Sie uns doch mit einstimmen in diesen Ruf der Maria. Denn auch unsere Augen werden zu Ostern mit neuem Leben gefüllt.

Ihre Merle Vokkert